Grandhotel Pupp: Die Geschichte des berühmtesten Hotels Karlsbads seit 1701
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Becherovka ist ein Kräuterlikör, der seit 1807 in Karlsbad hergestellt wird. Er begann als Apothekenmittel zur Unterstützung der Verdauung. Heute wird er in Dutzende Länder exportiert, gehört einem der größten Getränkeproduzenten Mitteleuropas — und wird immer noch in derselben Stadt hergestellt wie vor 200 Jahren.
Das ist die Geschichte davon, wie eine Apothekentinktur zwei Systemwechsel, Verstaatlichung, Familienemigration, die Übernahme durch einen französischen Konzern und schließlich den Verkauf an einen polnischen Eigentümer überlebt hat — ohne ihr Rezept oder ihre Stadt zu verlieren.
Die Geschichte des Getränks begann im Jahr 1807, als Josef Becher, Inhaber der Apotheke „U tří skříňat“ („Zu den drei Kästchen“) in der Stará Louka in Karlsbad, eine neue Kräutertinktur zur Unterstützung der Verdauung vorstellte.
Ursprünglich wurde Becherovka tropfenweise oder teelöffelweise eingenommen und ausschließlich in Apotheken als Heilmittel verkauft. Die Logik war einfach: Karlsbad war damals bereits ein Kurort, in den Menschen zur Behandlung reisten. Eine Verdauungstinktur auf Kräuterbasis passte nahtlos in das Umfeld der Trinkkur.
Ein wichtiges Detail zur Verbindung mit den Quellen: In das Rezept von Becherovka fließt Karlsbader Mineralwasser als einer der Bestandteile ein. Genau daraus entstand der bekannte Witz über Becherovka als „dreizehnte Karlsbader Quelle“ — nicht offiziell, aber die beliebteste.

Das ursprüngliche Rezept geht auf den englischen Arzt Christian Frobrig zurück, der in Karlsbad praktizierte und mit Kräutermischungen experimentierte, um seine Patienten zu behandeln. Er übergab die Rezeptur an Josef Becher, der sie weiterentwickelte, verfeinerte und in die Produktion überführte. Becher ließ das Produkt schließlich auch als Marke eintragen – und sein Name wurde untrennbar mit dem Likör verbunden.

Die genaue Zusammensetzung von Becherovka ist bis heute ein streng gehütetes Geheimnis. Schätzungen zufolge enthält der Likör rund 20 Kräuter und Gewürze, darunter Wermut, Nelken, Zimt, Anis und Zitrusschalen – doch die genaue Liste ist nicht öffentlich bekannt.
Nur zwei Mitarbeiter des Unternehmens kennen die vollständige Rezeptur. Sie stellen die Kräutermischung wöchentlich persönlich in einem gesicherten Raum der Karlsbader Fabrik her. Die Mischung wird in einem speziellen Safe unter dem Codenamen „Dirketus“ aufbewahrt.
Zum Vergleich: Auch bei Coca-Cola kennen nur zwei Personen das vollständige Rezept. Bei Becherovka besteht diese Tradition seit 1807.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen verstaatlicht – durch das neue kommunistische Regime der Tschechoslowakei. Die Familie Becher emigrierte nach Deutschland, wo sie versuchte, das Originalrezept zu rekonstruieren und ein neues Unternehmen unter dem Namen „Jan Becher KG“ gründete. Es folgten jahrelange juristische Auseinandersetzungen über die Markenrechte.
Im Jahr 1997 wurde Becherovka vom französischen Spirituosenkonzern Pernod Ricard übernommen. Damit begann eine neue Ära für den Likör: Export in Dutzende Länder, modernes Marketing und Präsenz auf internationalen Messen machten Becherovka zu einem wichtigen Bestandteil des globalen Portfolios der Marke.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Getränk unter dem Namen „Becher’s Bitter“ oder schlicht als „Kräuterlikör aus Karlsbad“ bekannt. Der Name Becherovka entstand später im Rahmen gezielter Markenbildung. Das heute ikonische Flaschendesign und Logo stammen ebenfalls aus dem 20. Jahrhundert und gelten inzwischen als Symbol für die tschechische Spirituosenkultur.

2024: Neuer Eigentümer — die polnische Maspex Group
Im Jahr 2024 kam es zum nächsten Eigentümerwechsel: Pernod Ricard verkaufte die Marke und die Produktionsanlagen in Karlsbad an die polnische Maspex Group. Die Übernahme wurde am 1. Mai 2024 abgeschlossen.
Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Branchenquellen zufolge handelte es sich um eine bedeutende Transaktion — Becherovka war eine der wichtigsten europäischen Marken von Pernod Ricard im Likörbereich.
Maspex ist einer der größten Produzenten von Getränken und Lebensmitteln in Mittel- und Osteuropa. Zum Portfolio gehören unter anderem bekannte Marken wie Żubrówka, Tymbark und Kubuś.
Mit dem Erwerb übernahm Maspex sämtliche Rechte an Jan Becher – Karlovarská Becherovka a.s., einschließlich Fabrik, Lagerhäusern und geistigem Eigentum. Der neue Eigentümer kündigte Investitionen in die Marke und den Ausbau der Exportaktivitäten an.

Trotz des — inzwischen dritten — Eigentümerwechsels in 80 Jahren wird Becherovka weiterhin in Karlsbad produziert, in derselben Fabrik, nach demselben Rezept. Zwei Personen bereiten die Kräutermischung nach wie vor wöchentlich in einem verschlossenen Raum vor.
In gewissem Sinne ähnelt Becherovka den Karlsbader Quellen: Eigentümer kommen und gehen, politische Systeme ändern sich — aber was drin steckt, bleibt.
Das Jan-Becher-Museum befindet sich direkt in der Fabrik im Stadtzentrum — Lázeňská 3. Dort kann man die Produktionsgeschichte, historische Flaschen und Etiketten entdecken, mehr über das Rezept erfahren und mehrere Sorten verkosten — darunter limitierte Editionen, die nicht exportiert werden.
Becherovka wird in den meisten Bars und Restaurants der Stadt serviert. Die klassische Art: gut gekühlt, im kleinen Glas, als Digestif nach dem Essen. Die bei Touristen beliebte Variante — Beton: Becherovka mit Tonic Water und Eis.
Zum Mitnehmen: in jedem Souvenirladen der Stadt oder am Flughafen erhältlich. Gängige Souvenir-Größen sind 0,5 l oder Miniaturen zu 0,05 l.
→ Warum es in Karlsbad keine 13. Quelle gibt — und was Becherovka damit zu tun hat
→ Alle 13 Karlsbader Quellen: vollständiger Leitfaden
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